Eine Art Outing

16 Mai 2011

Eben las ich im Buchenhain von Grey Owl über ein sehr trauriges Geschehnis.

Es gab in meinem Leben schon sehr düstere Zeiten und irgendwann setzt das rationale Denken, alle Vernunft aus und es bleiben nur noch Schmerz und Hilflosigkeit.
Laut einer Studie ist der Hauptgrund für Todesfälle während der Pubertät Suizid.
Gerade in dieser kritischen Phase ging es mir verdammt schlecht und das auf eine Art und Weise, dass meinem Verstand zuerst selbst nicht klar war, in welche Richtung meine Gedanken gehen.

Eines Tages war ich mit meinem Hund spazieren. Wir gingen an einem steilen Hang entlang, an dessen Fuß ein Fluss verlief. Es war Frühling, der Fluss führte sehr viel Schmelzwasser und hatte eine unberechenbare Strömung. Von oben sah es überaus faszinierend aus. Aber mehr noch...
Ohne es bewusst zu merken, beugte ich mich immer weiter nach vorne.
Kurz bevor ein Impuls meinem Körper signalisieren konnte zu springen, kam mein Hund angerauscht und schaute mich mit einem regelrecht vorwurfsvollen "Was machst du da?!" Blick an, der mich überhaupt erst realisieren ließ, was ich gerade im Begriff war zu tun.
Bis dahin hatte ich nicht realisiert, wie schlecht es mir wirklich ging, welches Spektrum an Leid mich belastete.
Ich bin ihm sehr dankbar dafür, dass er das richtige Timing hatte.

Diese Gedanken lassen einen selten los. Wenn es einem schlecht geht, kriechen sie wieder hervor, suchen sich Schatten in der Seele, um am Leben zu bleiben. Sie sind still, aber immer da. Sie schleichen sich genau dann ins Denken, wenn man nicht damit rechnet.

Ein Außenstehender, der das nicht selbst erlebt hat, wird es kaum verstehen können.
Noch heute vermeide ich fließendes Wasser, wenn es mir schlecht geht.
Einfach zu gefährlich. Ich merke immer noch, wie mein Denken dann aussetzt und wenn dann niemand da ist...

Damals half mir ein Versprechen, welches mich regelrecht ans Leben gebunden hat. Mein Verantwortungs- und mein Ehrgefühl waren dahingehend lauter und penetranter.

Heute erkenne ich die Vorboten und betrachte mich selbst kritisch, um gewisse Anflüge sofort zu bemerken. Dennoch existiert eine gewisse Unberechenbarkeit.
Wenn man genug hat, einfach nicht mehr kann, dann hilft wirklich nichts mehr. Dann ist alles nur ein Aufschub, eine Verzögerung, die eventuell noch mehr Torturen in sich birgt.

Ich habe meine Hoffnung und meinen Sinn noch nicht verloren, also große Sorgen braucht sich um mich keiner zu machen ;)

Dennoch...

Seid lieb zueinander!
Ihr könnt nicht in die Seele eures Gegenübers blicken. Jeder hat Ecken und Winkel, in denen düsteres schlummert und sich nicht zeigt bzw. nicht gezeigt wird.
Seht/Hört nicht weg, wenn es jemandem schlecht geht. Und akzeptiert eure eigene schlechte Laune, depressive Anflüge, usw.. Sie gehören zu euch dazu und sind ein Teil von euch. Nicht schönreden. Nicht sagen "Ach das wird schon wieder!", sondern mal tiefer gehen und erGRU(e)NDen. Auch mal andere tief blicken lassen und sich anverTRAUEN.
Das fehlt in dieser Gesellschaft der Schönredner, Scheuklappenträger und Ignoranten.

Kommentare:

  1. Liebe carnam!
    Ich denke, wir sind alle dem lieben Hundchen sehr dankbar!!!

    Gut so, liebe carnam....der Wille zu überleben war zum Glück stärker.

    ok., dann oute ich mich auch mal....so zu sagen.
    Es gab eine Zeit, da war ich so etwa Anfang zwanzig. Da saß ich in der abgeschlossenen Toilette und hämmerte meinen Kopf gegen die Wand. Meine Eltern wollten mich "einweisen" lassen.
    Die ganze Welt war gegen mich.....meine Eltern, wo es dauend Streit gab, weil ich nicht ihrer Norm entsprach. Ich würde ihnen ja den Ruf versuaen. Meine hysterische Mutter, die mich beschimpfte. Die Leute im Dorf, die mit dem Finger auf mich zeigten. Die Luete auf der Arbeit, die mich anspuckten und die Treppen runter stießen.....nur, weil ich damals mit einem Kubaner verheiratet war, der nicht da war...und wie ich heute weiß´, bei seiner andern Frau war, die auch uwei Kinder von ihm hat, und ich hatte mich in der Zwischenzeit (nahc einem Jahr) mit einem Afrikaner zusammen getan.

    In diesem Moment, wo ich da auf der Toilette saß......faßte ich einen endgültigen Entschluß: Ich musste mich da selber raus holen. Es würde niemand sonst tun.....und niemals.....niemals wieder würden mich irgendwelche Leute SOWEIT runter ziehen, dass ich sowas noch mal tue.
    Ich stand auf.....und begann zu kämfen! Für mich!

    Und so konnte mich auch später nichts mehr wirklich aus der BAhn werfen.....egal, wie schlimm es auch war...


    ....und Danke, für diesen tollen Beitrag!

    Sei lieb gegrüßt

    Grey Owl

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  2. Liebe Carnam,sei dir bewußt,daß dein Hund damals ganz genau wußte,was er tat und auch warum!
    Ich sehe in dem fließendem Gewässer auch die Botschaft,daß du nicht festhalten,sondern fließen lassen solltest,los lassen,frei geben,gehen lassen....
    Wir haben in diesem Leben Aufgaben zu erledigen,Lektionen zu lernen.Wenn wir eine Aufgabe nicht lösen,bekommen wir sie wieder,bis wir es geschafft haben....Wenn wir eine Lektion nicht richtig gelernt haben,müssen wir eben weiter lernen.
    Auch in meinem Leben gab und gibt es weniger nette Augenblicke,aber vieles ist sich ähnlich,also eine Lernaufgabe für mich.
    Mit dieser Einstellung schaffe ich es,die Schei...zeiten zu überwinden und etwas für mich zu lernen.
    Deinen Schlußworten gibt es nichts hinzu zu fügen.
    Mein Lebensmotto:
    "Hab Vertrauen,hab Geduld,lebe JETZT!"

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