"You're a good mother."

19 August 2012

"It's all for your child."


Den Satz bekam ich zuletzt vom Vater eines der Tageskinder aus Shauns Gruppe zu hören.
Es war schmeichelhaft, aber irgendwie fühlte ich mich nicht so.
Wenn man die meisten meiner Einträge hier liest, kommt wohl auch eher eine andere Stimmung auf, was mitunter daran liegt, dass ich mir hier einfach Luft mache.

Es gibt Tage, da kann ich mein eigenes Genörgel schon nicht mehr hören.
Das sind dann Tage, an denen zum zweiten Mal der Kakao alles überschwemmt, weil der Junior beim Sitzen unbedingt die Füße mit auf dem Tisch haben muss. Oder er um 7 Uhr morgens penetrant nach Eiscreme verlangt, durchgängig bis mindestens 9 Uhr.
An denen er schon direkt nach dem Aufstehen nur am Jammern ist, alles nicht will und wir zwei Stunden brauchen, um überhaupt irgendwo hin zu kommen.
An denen er andere Kinder auf dem Spielplatz haut, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, weil er das bei seinem Papa und dessen Bruder gesehen hat, aber nicht versteht, dass sie das ganz anders verkraften und auffassen.
An denen er Passanten auf dem Fußweg mit seinem Holzschwert attackiert und wie ein Bekloppter Richtung Straße rennt.
An denen er wie ein wild gewordenes Kaninchen auf dem Bett herum hüpft, obwohl es Schlafenszeit wäre und er nicht zum ersten Mal Gefahr läuft, hinter das Bett zu fallen und sich den Kopf an der Heizung zu stoßen.
An denen ich ihm zum 1000 Mal sage: "Schau' wo du hin läufst.", und er direkt im Anschluss gegen eine Wand stößt oder über seine eigenen Füße stolpert.

Wenn ich mir anhöre, was so in der Familie des besagten Vaters an der Tagesordnung steht, ist wohl fast jede Mutter eine gute Mutter. Sie quält das gemeinsame Kind zwar nicht körperlich, aber ist mental und emotional äußerst herzlos und egozentrisch. Kein Wunder, dass das Kind unsere Tagesmutter immer wieder mit "Mama" anredet.

Und wenn ich mir dann vor Augen halte, was ich alles als selbstverständlich erachte, wo andere Mütter sich herzlichst amüsieren (z.B. mit Wasserpistolen bewaffnet über den Spielplatz rennen) oder aber abfällig die Nase rümpfen (Karrieremamis, die sich vielleicht insgeheim wünschen, auch noch einmal so kindisch sein zu dürfen), was dem Junior dann ein herzliches Lachen auf's Gesicht zaubert, seine Tränen trocknet oder ihn einfach nur begeistert, kann all das Genörgel gar nicht so schlimm sein oder wird schnell entschuldigt und vergessen.
Ich muss einfach meinen Fokus verschieben, weg von den schlechten Tagen und dem: "Nicht schon wieder!".
Vielleicht kann ich dann solch ein Kompliment das nächste Mal auch besser annehmen.

Kommentare:

  1. Das ist aber ein wunderschönes Kompliment! Sowas hören Mütter wohl auch viel zu selten, was wirklich schade ist! Du hast es verdient, da bin ich mir sicher!

    LG aus Erlangen

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  2. Nachtrag: Eben gerade, weil du darüber nachdenkst, ob es zutrifft und es nicht für selbstverständlich nimmst.

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