Warum ich mich nicht Veganerin nenne

26 März 2013

Aufmerksame Leser haben bestimmt hier und da die Häufung des Wörtchens vegan bemerkt.
Dennoch habe ich mich bisher nicht als Veganerin definiert oder bezeichnet.
Das hat mehrere Gründe.

Veganismus schließt vieles mit ein, darunter den Verzicht auf alle tierischen Produkte, nicht nur die Ernährung. Zwar verzichte ich auf den Kauf von Lederwaren und Daunen, aber Wolle ist für mich als Sträklerin einfach Kryptonit. Außerdem mag ich Plastikwolle nicht. Den Plastikbedarf in unserem Alltag möchte ich möglichst gering halten und da müssen wir uns nicht noch in Plastik einwickeln. Reicht schon wenn man heutzutage kaum mehr eine normale Gurke oder Banane trotz fruchteigener Schale eingeschweißt bekommt.
Als Mischgewebe mit Naturfasern finde ich es noch vertretbar, aber auch da gibt es meist noch einen gewissen Wollanteil. Reine Naturfasern sind schwer zu färben. Nur durch hohen chemischen Einsatz bekommt man die Farbe ins Material geprügelt. Deswegen bekommt man bei Handfärberinnen auch keine reinen Naturfasergarne mit kräftigen Farben.
Färben mit hohem chemischen Aufwand belastet die Umwelt.
Für mich persönlich also eine Sysiphusarbeit da rauszufusseln was mir nun wichtiger ist. Fakt ist, dass für die Wolle das Tier nicht extra geschlachtet werden muss. Natürlich gibt es auch hier viele Mankos, schlechte Haltungsbedingungen, das Ende von Merinoschafen nachdem ihre Wollquote erfüllt ist (ähnlich wie bei Hühnern und Milchkühen) usw. usf..
Deswegen bin ich auf der Suche nach Bauern und SpinnerInnen in meiner näheren Umgebung oder aber mir persönlich Bekannte, denen ich was Herkunft und Unterbringung der Tiere anbelangt 100% vetrauen kann.


Weiter im Text, Ernährung:
Honig ist ein Streitpunkt. Ein "richtiger" Veganer verzichtet darauf, da er das Bienenvolk nicht ausnutzen will, die Fütterung mit Zuckerlösung als nicht artgerecht empfindet.
Ich habe auf einen Tip hin für mich festgestellt, das regionaler Honig meinen doch sehr heftigen Heuschnupfen abmildern kann. Daher möchte ich ihn auch nicht missen. Wer so richtig fiesen Heuschnupfen hat wie ich, wird das gut nachvollziehen können. Der beeinträchtigt die Lebensqualität nämlich enorm.
Ich lebe nicht alleine, muss also nicht bloß  für mich alleine einkaufen und kochen. Zwar kann ich durch häufiges Kochen Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten meiner kleinen Familie nehmen, aber der ein oder andere hat immer mal Lust auf Käse, Milch, Fisch oder Fleisch. Das will ich nicht verbieten, ich möchte den anderen nicht engstirnig über den Mund fahren. Daher gibt es in unserem Kühlschrank auch tierische Lebensmittel. Auch ich greife dann noch mal zu Milchprodukten, bin aber dabei das immer mehr zu reduzieren. Fleisch ist und bleibt für mich tabu.

In meinem Schrank stehen noch zwei Paar Lederstiefel. Die Springerstiefel sind gut 9 Jahre, die anderen über 6 Jahre alt. Beide halten noch und so lange sie sich nicht auflösen, werde ich sie auch weiterhin tragen. Mein Entschluss keine Lederwaren mehr zu kaufen, hatte ich vor ca. 5 Jahren gefasst und bin bisher gut mit Kunstleder ausgekommen. Aber solange ich diese Stiefel noch trage, würde ich mich nicht als Veganerin bezeichnen. Heutzutage werden viele Äußerlichkeiten als Statement aufgefasst und demnach wäre ich für viele nicht authentisch.


Und der letzte Punkt ist mir der wichtigste:
Ich mag keine Schubladen! ;P

Kommentare:

  1. Frau tut was sie kann......
    Der Mann ißt halt auch gern Fleisch.....ich,....ab und an.....nur wenig.
    Ich mach' mir keine Eßvorgaben mehr. Hab' mir schon zu viel den Kopf darüber zerbrochen und tu's noch, wie und was ich am besten esse und was alles zu beachten ist.
    Was weiß ich, was morgen mit mir ist? Da eß' ich doch lieber solange ich's noch kann. Aber nicht gedankenlos......
    Liebe Grüße
    Rosi

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    1. Ich muss mir ab und an gesundheitsbedingt den Kopf zerbrechen, was ich da esse. Durch die Unverträglichkeiten ist es schon recht nervig, anscheinend reagiere ich auf alles mit hohem Fettgehalt, inzwischen sogar Avocados.
      Auch Kirschen, Bananen, Nüsse und Roggen machen mir als Kreuzallergie vom Heuschnupfen zu schaffen.
      Gewisse Nährstoffquellen kann ich somit nicht über empfohlene Alternativen abdecken, da ich diese nicht vertrage.
      Von daher denke und prüfe ich da lieber mal zuviel, als mich die komplette Nacht mit Bauchschmerzen zu quälen.
      Ein bisschen beneide ich die, die problemlos alles in sich reinschaufeln können. Vom ganzen Müll mal abgesehen.

      Liebe Grüße zurück :)

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  2. Mal wieder ein guter Beitrag :-)
    Ich kann mich auch nicht als veganerin bezeichnen, da doch stellenweise mal das ein oder andere Milchprodukt auf meinen Teller wandert und Honig auch mal usw. Ich versuche das alles sehr bewusst zu konsumieren und "totes Tier" kommt sowieso mal gar nicht auf meinen Teller. Auf den vom Schatz schon mal. Ich denke auch, wenn alle Menschen der first world (die anderen sind ja froh, wenn sie überhaupt was zu essen haben, dass man sich da keine Gedanken über vegane Ernährung macht ist mir völlig klar und völlig verständlich) z.B. ihren Milchkonsum überdenken würden und statt Milch eben Sojadrinks oder Mandel,Hafer,... nehmen und Käse eben nur zu besonderen Gelegenheiten verwenden würden. Und alles was easy ersetzbar ist wie normale Sahne oder Joghurt austauschen würden, wäre schon viel gewonnen. Wenn es z.B. statt dem berühmten Sonntagsbraten das Sonntagsmilchprodukt wäre (und z.B. nur Sonntags), dann wäre das ein starkes Signal. Oder auch Eier, ich mag keine Eier. Als pures Ei (egal wie) sowieso nicht und beim Backen lasse ich sie gerne weg. Wenn jetzt aber jemand mir einen Kuchen gebacken hat und da ist zufällig Ei drin ist´s auch ok. Wenn der in den Müll fliegt ist das ja noch schlimmer, dann fliegt das letztlich das Ei in den Müll. Ich denke auch, dass ein großes Problem da liegt, dass die Koch-/Backgewohnheiten sich nicht zur Situation geändert haben. Früher hatten so viele Menschen eigene Hühner (meine Großeltern auch) und klar, da hat man dann auch ein Ei zur Hand und das ohne große Tierquälerei, wenn man´s ordentlich gemacht hat. Nur heute hat kaum jemand Hühner und trotzdem will man das Ei und bitte täglich.
    Ich versuche auf tierische Produkte zum Großteilzu verzichten, was auch gut klappt, aber ich gehe auch mal gerne essen und auch mal gerne eine Pizza und wenn ich 2 Wochen daheim zu 95% vegan gelebt habe kann ich die Pizza momentan noch mit meinem Gewissen vereinbaren.
    Wenn jeder einfach den Konsum von Tierprodukten reduzieren würde, wäre schon viel gewonnen.
    Liebste Grüße & mach weiter so

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    1. Ja, wir können uns den Veganismus und Verzicht nur durch unsere gute Situation leisten. Sonst würde auch keiner auf die Idee kommen.
      Durch meine Ernährungsumstellung ist mir bei Besuchen bei Verwandten aufgefallen, wieviel tierische Produkte doch täglich verzehrt werden. Das ist unheimlich viel!
      Mir persönlich würde bei der Menge ziemlich schlecht werden.
      Deswegen biete ich immer wieder an, dass ich für alle etwas koche, damit ich das ein bisschen indirekt runterschrauben kann ;)
      Früher gab es sehr viel Fleisch und Eier von meiner Tante, aus privater und sehr artgerechter Haltung, aber irgendwann wollte ich auch das nicht mehr.

      Dir auch liebe Grüße zurück!

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