Irgendwo im Nirgendwo

25 Juni 2013


Alle Welt schreibt Litha-, Solstice-, Midsommar-Grüße, und ich?
Ich finde kaum mal Zeit wirklich in den Himmel zu blicken. Freitag habe ich ganz kurz daran gedacht, dass es wieder einmal die kürzeste Nacht des Jahres war und nun der Sommer einkehrt und sich sogleich Richtung Herbst entwickelt.
Vielleicht liegt es am Wetter, das so unsommerlich chaotisch ist und sich auf mein Gemüt niederschlägt.
Vielleicht auch an meiner Gesamtsituation. Die ich ehrlich gesagt nicht einmal richtig beschreiben kann.
Dank einiger Ämter und Behörden ist immer noch manches unsortiert und in der Schwebe.
Saftladen, Chaotenhaufen, arbeitet da eigentlich jemand wirklich und ernsthaft oder gibt es nur kollektives Eierschaukeln?


Ich bin ganz schön müde. Wenn ich es recht bedenke, habe ich seit ca. 8 Jahren nicht mehr richtig Ruhe und Frieden gefunden. Immer war irgendetwas, was mich am Rotieren hielt und mir keine Pause gönnte, in der ich langfristig Energie tanken konnte. Nur kleine Lichtblicke haben meine Reserven wieder geringfügig aufgestockt und mich so vor einigem bewahrt. Aber auf lange Sicht bin ich stark ausgelutscht.
Erden fällt mir mitunter sehr schwer, irgendwas reißt mich nach kurzer Zeit wieder auf oder von den Füßen.
Auf eine körperliche Notbremsung habe ich keine Lust, das hatte ich die letzten Jahre schon zur Genüge, also brav hier und da auf dies und das achten, aber selbst das ist im Moment anstrengend und erdrückend.
Bläh!
Es steckt so extrem viel in mir, was raus will, dabei sollte eigentlich vielmehr mal etwas von draußen herein kommen. Nämlich Ruhe, Energie, Entspannung. Die kann sehr wohl auch von Außen kommen, muss nicht zwangsläufig aus dem Inneren entstehen. Das kann sie auch gar nicht, wenn Innen nur alles tobt und rotiert.
Das ist wie das obligatorische Pflaster, das man lauten Kindern früher auf den Mund geklebt hat, oder wenn man sie fest gehalten hat, um sie mal zu fokussieren und aus ihrem wilden Gewüte heraus zu holen.
"So, Halt, Stop!", und es ist Ruhe. Wenn auch nur kurz, aber es mischt die Karten neu, gibt neue Perspektiven.


Zeit ist im Moment ganz böse für mich.
Ich habe Zeit. Der Krümel ist eine Woche mit dem Papa unterwegs und ich habe Zeit.
Und was mache ich? Nehme mir ganz viel vor.
"Döööööööt! Durchgefallen!", so rinnt mir die Zeit durch die Finger.
Zeit ist unser Gefängnis, mit Gitterstäben aus Zahlen und dem Ticken als Wärter.
Auf der Suche nach dem Hier und Jetzt hilft einem keine Uhr und kein Kalender. Das steckt in jedem Atemzug. Und in selbigem steckt man selbst. Auch wenn man es oder sich nicht definieren kann.
Zeit macht uns krank. Sie ist das Feuer, in dem wir verbrennen, um einen Satz aus Star Trek - Treffen der Generationen zu zitieren. (Ja, ich bin ein Nerd :P)
Zeit ist schlecht für unser Herz, es schlägt in unserem Rhythmus, nicht im Rhythmus der Zeit, auch wenn wir versuchen das zueinander in Verbindung zu bringen, indem wir den Puls durch Zeit brechnen.
Verzeitlichen wir unseren Rhythmus, verlieren wir ihn und den Bezug zu uns.
Jede Entwicklungsphase wird in Zeit gemessen, Zeit macht uns alt und uns deswegen Angst vor ihr. Wir fürchten nicht den Tod, wir fürchten die uns gestohlene, verlorene Zeit.
Wie dumm ist das? Wir wollen etwas nicht verlieren, dessen fehlinterpretiertes Verständnis und der fehlerhafte Umgang damit uns krank macht.
Kindern ist das "Später" egal.
"Ich habe jetzt eine Tüte Bonbons, also esse ich die auch jetzt alle auf oder verteile sie auf dem kompletten Spielplatz. Später? Später wird etwas anderes da sein."
Ist das nicht eine viel angenehmere Sicht der Dinge? Definitiv ist sie gesünder.


Ich pfeife jetzt mal auf die Zeit und lasse mein Herz frei atmen. Das hat es bitter nötig.
Kalender, Termine und Planungen haben auf unbestimmte Zeit Pause. Und auf die Uhr kucken wird mit 1€ Strafe belegt!

Und Ihr?

Kommentare:

  1. Echt super.......!...und auch super gut geschrieben!
    DAS spricht mir aus dem Herzen......
    Danke!....und liebe Grüße
    Rosi

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  2. da hast du ein wahres wort geschrieben,

    Die zeit ist das was man draus macht...

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  3. Wie recht du doch hast!

    Nehme dir etwas von deiner Zeit.
    Ich denk an dich x3

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  4. Ich schließe mich dem bisher gesagten an.

    Alles was an "Zeit" existiert ist das "werden". Und "werden" ist immer Gegenwärtig, später "kann" sein... vieleicht... womöglich... wer weiss? Wir vergessen wie es sich anfühlt zu "werden" und stecken in der Regel im "wird (vieleicht) sein" sein fest. Zeit... ist Illusion, sie gibt es eigentlich so gar nicht. Mir wurde zumindest nicht von einem Küken oder Eichhörnchen auf die Frage geantwortet: "Wieviel Uhr haben wir?"

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