Darf man als Mami im Internet ranten?

16 Oktober 2016

(Rant aus dem Englischen übersetzt heißt soviel wie Schimpf- oder Wutrede. Eine Tirade.)

Ausgebrannt, weil man mal wieder allen den Popo hinterher trägt? Entnervt, fertig, müde und dennoch muss man alles für die anderen machen, weil sie selbst nichts tun?
Viele motzen ihren Frust dann ins Internet. Vielleicht weil gerade niemand aus dem Freundes- oder Familienkreis zu erreichen ist, bei dem man sich verbal erleichtern könnte.
Der Frust muss raus, irgendwohin!
Aber darf man das? Sollte man das? Gehen Facebook, Twitter und Co. die persönlichen Probleme überhaupt etwas an?

Ich habe schon Kommentare zu Mami-Rants gelesen, in denen einem gesagt wurde, man sei doch selbst schuld und hätte einfach keine Kinder bekommen sollen. Der Kommentator selbst will niemals Kinder haben. Sicherlich sehr hilfreich für die gefrustete Mutter. Nicht. (Lieber Kommentator, das nächste mal scrollst du bitte einfach weiter. Danke.)

Liebe Mamis: Mami-Rants haben ihren Sinn, solange sie nicht die Gefühle von anderen vorsätzlich verletzen.
Ihr zeigt damit, dass es okay ist als Mami auch mal genervt und entkräftet zu sein. Mutter- bzw. Elternschaft ist kein Zuckerschlecken, kein Kinderspiel. Ihr tut gut daran euren Frust verbal zu formulieren.
Ja, manchmal möchte man auch den Partner erwürgen. Besonders, wenn er sich jedweder Verantwortung entzieht.
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: Wenn ihr euch alleinerziehend fühlt, dann seid ihr das auch. Sucht euch eine eigene Wohnung, damit ihr das große Kind nicht weiter mitversorgen müsst. Das stellt schon eine arge Erleichterung dar. Selbst wenn ihr euch als Paar noch liebt, so zehrt es doch zu sehr an den Nerven, wenn der andere nicht mitspielt. Man kann auch zusammen sein, ohne zusammen zu wohnen.

Liebe Mamis, keiner steckt in eurem Kopf und weiß, was für euch eine Selbstverständlichkeit darstellt. Es ist wichtig, dass euer Partner und eure Kinder ihre Aufgaben genau kennen. Macht aus euren Erwartungen Aufgaben. Formuliert sie deutlich mit Bitte und Danke. Ertappt ihr euch bei dem Gedanken: "Immer muss ich das machen!"?
Habt ihr bis dato jemanden darum gebeten, diese Aufgabe auch einmal zu erledigen? Ja? Es wird trotz mehrmaliger Erinnerung und Bitte um Erledigung nicht gemacht? Dann dürft ihr jetzt motzen. Aber bitte: Nicht die Aufgabe erledigen, wenn sie nicht eure ist.
Ich persönlich entziehe mich dann hin und wieder der Verantwortung meiner Aufgaben, bis der andere seine endlich erledigt hat. Was, wann es Essen gibt? Wieso sollte ich was kochen, du machst doch auch nichts? Wo deine Sachen sind? Woher soll ich das wissen, sind doch deine Sachen, die musst du doch aufräumen? Das wirkt oft Wunder. Leider nicht immer, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ganz wichtig: Denkt nicht immer, dass immer ihr dies und das alles machen müsst. Überlegt auch einmal, was der Rest der Familie alles macht. Landet die Schmutzwäsche im dafür vorgesehenen Behälter und fliegt nicht durch die ganze Bude? Das ist doch schon ein Pluspunkt!
Schafft das schmutzige Geschirr es in die Küche und bleibt nicht auf dem Tisch stehen? Noch ein Pluspunkt!
Landet Müll wirklich im Müll und es fliegen nicht überall Orangenschalen und abgeknabberte Äpfel umher? Das ist doch gut!
(Persönlich muss ich an dieser Stelle sagen, dass mein Sohn den letzten Punkt besser beherrscht als mein Mann. *kicher*)

Auch wenn man im Internet den Ton nicht hören kann, so macht er doch immer noch die Musik. Wortwahl ist sehr wichtig, wenn ihr euch dazu entschließt einmal euren Frust ins Internet zu kotzen.
Beleidigt eure Familie nicht. Nur weil man gefrustet ist, muss man sie nicht beschimpfen. Hinterher bereut man es und das Internet vergisst nichts. Posaunt deshalb bitte auch nichts Persönliches aus.

Nun noch zu einer wichtigen Frage:
Warum zum Geier machen wir uns eigentlich so einen Stress mit allem?
Weil wir denken, dass es von uns erwartet wird. Gut erzogene Kinder, eine saubere Bude, perfekt gekochtes Essen, blitzblanke und duftende Wäsche, plus die top gestylte Mami als Sahnehäubchen.
Haha! Wer braucht schon die Realität? Viel lieber lassen wir uns von Medien und Werbung utopische Szenarien in die Köpfe pflanzen.
Mamis! Ihr dürft auch mal stinken und wüste Haare haben! Eure Wäsche darf Flecken haben, der Boden kleben, Staubflocken durch die Wohnung wirbeln und eure Kinder prügeln sich irgendwann mit anderen und kommen total verdreckt nach Hause. Mit Löchern in den Hosen, blauen Flecken und einem Bärenhunger, den nur eine Pizza vom Lieferservice zu stillen vermag.
Deswegen seid ihr keine schlechte Mutter. Ihr seid eine Mutter. Ihr leistet 24/7 Schwertsarbeit für eure Familie, da ihr keinen Tag Urlaub habt, selbst krank noch den täglichen Pflichten nachkommt und selten mal genügend Schlaf bekommt. Das erzeugt bei jedem irgendwann Frust. Ihr dürft gefrustet sein. Nur lasst euch bitte nicht von den Erwartungen anderer Frusten und unter Druck setzen.

Zum Schluss noch eine Kanalempfehlung auf YouTube, für uns Mamis. ;)



☞ Kristina Kuzmic ist herrlich!

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